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Im Dezember 1947 hatten sich die Menschen nur wenig von den Folgen des zweiten Weltkrieges erholt und jeder versuchte auf seine Art und Weise mit dem wenigen zur Verfügung stehendem Geld den Bedarf des täglichen Lebens zu decken. Wir hatten Hühner und eine Ziege im zum Stall umgebauten Schuppen und meine Großmutter sammelte in einer großen aus Lederflicken zusammengenähten Tasche liegen gebliebene Getreideähren auf den abgeernteten Feldern für Hühnerfutter. Im kleinen Hausgarten wurden Steckrüben angepflanzt um unsere drei Hasen zu füttern, die sonst hauptsächlich von frisch ausgestochenen Löwenzahnstöcken lebten.Feldraine wurden gemäht und das wenige davon gewonnene Heu reichte gerade mehr schlecht als recht über die Winterzeit. Jede Familie hatte irgendwelche Sorgen und die angesiedelten Flüchtlinge aus Schlesien versuchten mühsam eine neue Heimat zu finden. Trotzdem fanden sich einige Menschen, die am 6. Dezember als Nikolaus verkleidet an den Haustüren klopften, hinter denen Familien mit kleinen Kindern wohnten. Es waren merkwürdige Gestalten, die da Einlass verlangten. Mir wurde erzählt, dass der „Pelzmärtel“ umher geht und brave Kinder belohnt. Die Mutter meines Freundes im Haus nebenan erzählte ihrem Helmut, dass das Christkind von Haus zu Haus geht und den „Knecht Rupprerich“ dabei hat und am Vormittag polterte eine Gestalt in den Kindergarten, der sich „Krampus“ nannte und jedem eine Hand voll Bonbons übereichte, der ein kleines Gedicht aufsagen konnte. „Steigt ein Büblein auf den Baum, ei so hoch, man sieht es kaum, steigt von Ast zu Ästchen, bis zum Vogelnestchen.” Freilich hatte dieses Gedicht nichts mit Weihnachten zu tun, aber ich konnte es im Alter von 3 Jahren auswendig aufsagen. Ich habe einige dieser „ Nikoläuse“ aus meiner Jugendzeit noch heute in guter Erinnerung. Einer trug einen prall gefüllten Jutesack auf dem Rücken, aus welchem aus einem Loch das Bein eines Kindes baumelte. Den Sack stellte er vor der Haustüre ab und fragte mit tiefer Stimme, ob in unserem Haus unartige Kinder wohnen. Heute weiß ich, dass der Gabensack prall mit Stroh gefüllt war und der lange Kinderstrumpf mit Heu ausgestopft, an den Sack genäht wurde. Sogar einen Schuh hatte man dem ausgestopften Strumpf angezogen. Ich hatte keine Angst, denn meine Mutter war ja bei mir, aber ich war tief beeindruckt. Ein anderer „Nikolaus „ hatte einen leeren Kartoffelsack über die Ecken ineinander gesteckt und hatte somit etwas ähnliches wie eine Kapuze auf dem Kopf. Darunter trug er eine Zipfelmütze gegen die Kälte, an die er lange Haare aus Hanf genäht hatte, die dann wirr seinen Kopf umrahmten. Sein Gesicht war mit Ruß dunkel gefärbt und er hatte eine Alkoholfahne, als er sich zum mir herab beugte. Bestimmt hatte er schon an mehreren Haustüren geklingelt und meistens auch ein Schnäpschen gegen die Kälte bekommen. Sein Gabensack hing recht schlaff auf seinem Rücken, denn immer bekam er noch unter der Haustüre von den Eltern eine Kleinigkeit zugesteckt, die er dann dem „ braven Kind “ lobend überreichte.Einmal hatten meine Mutter und ich am Nikolaustag nachmittags die Urgroßmutter besucht, die am anderen Ende der Stadt wohnte. Es war schon dunkel, als wir uns auf den Heimweg machten und die wenigen Gaslaternen entlang der Hauptstraße durch unsere Stadt reichten nicht aus um alles hell zu erleuchten. Es hatte geschneit und es war eisig kalt, sodass der Atem an dem um den Hals gewickelten Schal gefror. Wenn aus einem Schaufenster das Licht auf die Straße fiel glitzerten die Schneekristalle wie Diamanten.Wir liefen gerade durch die enge Straße der Altstadt, als in einiger Entfernung eine Gestalt um die Hausecke kam, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte. Der Mann war groß und breitschultrig, hatte schulterlange silbergraue lockige Haare und einen buschigen Vollbart. Er hatte eine rote Bischofsmütze auf dem Kopf, hatte einen langen Bischofsstab in der Hand und trug einen langen roten Mantel und schwarze hohe Lederstiefel. Mit weißen Handschuhen hielt er mit einer Hand ein großes Buch mit goldenem Einband fest, welches er sich unter den Arm geklemmt hatte. An der anderen Hand führte er ein Mädchen mit weißem langen Hemd und langen blonden Haaren, auf die ein kleines Goldkrönchen gesteckt war. Wir waren stehen geblieben um diese einmalige Begegnung anzuschauen, da kamen diese beiden herrlichen. Gestalten auch schon auf uns zu und sprachen uns an. Sankt Nikolaus stellte sich vor und erzählte, dass er zusammen mit dem Christkind heute am Nikolaustag schon mal die Kinder notiert, die das ganze Jahr über brav waren und wenn er welche unterwegs trifft, kann er sich auch gleich notieren, was sich das Kind vom Christkind zu Weihnachten wünscht. Als ihm meine Mutter bestätigte, dass ich immer brav war und noch bin, legte mir der heilige Sankt Nikolaus seine weiß behandschuhte Hand auf den Kopf und fragte mich nach meinem Weihnachtswunsch. Dann verabschiedete er sich und auch das Christkind gab mir die Hand und beide gingen in die andere Richtung weiter. Dieser heilige Sankt Nikolaus hat mir nichts geschenkt als wir ihn trafen, aber er hat eine Ruhe ausgestrahlt die mir bis heute unvergesslich geblieben ist. Natürlich habe ich mich später auch an den Jugendstreichen beteiligt und habe hinter Häuserecken versteckt die Nikoläuse so lange mit Schneebällen beworfen, bis sie uns wild die Rute schwingend und laut in den Wattebart fluchend nachgerannt sind. Ein heiliger Sankt Nikolaus mit Bischofsmütze und Bischofsstab war jedoch nie mehr anzutreffen. Ich wünsche allen Lesern eine beschauliche Adventszeit und fröhliche Weihnachten. |


Heiliger Sankt Nikolaus .

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